Der Ort da, wo er nicht ist

Die Rot-weisse Insel da, wo sie nie gewesen sein wird.

Die Rot-weisse Insel da, wo sie nie gewesen sein wird.
Fotografie evoziert das immer wieder gleiche Bild.
Vor Ort sieht man dasselbe nie zweimal.






Vielleicht schaut man auch ein- und dieselbe Fotografie nie zweimal gleich an.
Der Ort ist die dauernd werdende Vergangenheit. Was ich an Spuren vorfinde, sind Zeugnisse vergangener Vorgänge. Wer handelt hier? Wer formt diesen Ort? Wer/was macht den Ort zu dem, was er ist? Nichts an diesem Ort scheint natürlich, auch wenn die Natur ununterbrochen wirksam ist. Es ist eine Natur, die soweit wirksam ist, wie die Kultur es zulässt.
Das Naturparadies erweist sich als Utopie.
Wäre es möglich, die Insel und ihre Umgebung so zu fotografieren, dass sie durch das Betrachten der Fotos quasi gleich zu entdecken wäre wie vor Ort – Schritt für Schritt, jeder Blick ein Bild? Würde das den Ort dereinst zurückbringen, wenn er verschwunden ist?
Verschwunden – der Ort existiert in veränderter Form weiter, das Stück Erdboden, dessen Oberfläche er bildet, verschwindet nicht vollständig. Es verschwindet von der Erdoberfläche, im wortwörtlichen Sinn: Es wird vom Wasser überflutet, erodiert. Wird zur Flusssohle. Als Boden ist er immer noch da. Besitzt dieselbe Koordinate, befindet sich an derselben Stelle. Macht die Stelle den Ort? Kann ein Ort gar nicht wirklich verschwinden? Schwindet nur unsere Erinnerung?

Wo endet ein Ort? Wo beginnt ein Ort?
Wann endet ein Ort? Wann beginnt ein Ort?
Wie endet ein Ort? Wie beginnt ein Ort?
Warum endet ein Ort? Warum beginnt ein Ort?
Wo wird der Ort zum Subjekt? Wann wird der Ort zum Objekt?
Wo hört der Ort auf Ort zu sein und wird zum Raum?
Eine Oberfläche abtasten. Immer wieder. Kein zweites Mal dasselbe Bild. Hinsehen.
Hingehen. Dann da sein.
Mit mir ist der Ort nicht derselbe wie ohne mich. Ich werde nie erfahren, wie er ist ohne mich.
Ohne mich ist der Ort Vorstellung.
Der Ort erinnert sich. Alles, was an ihm geschieht, schreibt sich in sein Gedächtnis ein. Ich lese in ihm wie in einem Buch. Manchmal sind mir die Zeichen fremd, ich sehe, dass etwas geschrieben ist, der Sinn aber bleibt verborgen. Manchmal Sätze, die ich entziffern kann und doch nicht verstehe. Manchmal Sätze, die ich verstehe. Oberflächlich.
Da war jemand, hat sich dem Ort eingeschrieben, während der Ort sich ihm eingeschrieben hat. Er trägt ihn mit sich fort. Weggehen.
Da sein an einem anderen Ort. Der Ort in mir an diesem Ort.



Will you remember?
In einer Sommernacht sei ihr dort das Fahrrad geklaut worden, erinnert sich eine Freundin. Sie ist in Muri aufgewachsen. Und ihr fällt ein, dass die «Pfädeler» dort manchmal übernachteten, in Hängematten. Hat sie mir erzählt, dass sie mit ihrem ersten Freund dort war, als ihr das Velo abhanden kam. Oder täusche ich mich?
Im Grundbuchamt ist kein Besitzer eingetragen, aber die Baracke ist als «Wochenendhäuschen» registriert.
Weiter fragen: Wer weiss etwas über diese Baracke?


Was war davor? Was passierte dazwischen? Was geschieht weiter?